Buchtipp für den Januar 2022

Zwei Männer, ein Buch, feinster System-Grant

Zu Anfang darf ich, vor allem für die Nichtösterreicher, den Begriff Grant erklären. Der Grantler ist der Bruder des Raunzers, er wohnt meist in oder um Wien, er pudelt (regt) sich gerne auf und kickt, durchaus mit Geschick, die Steine des Anstoßes durch die Gegend. Wer einen Grant schiebt, der begehrt in gewisser Hinsicht auf. Und er setzt sich ein. Für etwas. Oder für jemanden.

Wer grantig ist, ist unzufrieden. Aus der Unzufriedenheit erwächst uns die Kraft für die oft dringend notwendigen Veränderungen. Veränderungen sind dort möglich, wo sich jemand die Mühe macht, die Fehlentwicklungen zu erkennen, aufzuzeigen, zu benennen.

Florian Klenk, seines Zeichens Chefredakteur der Wiener Wochenzeitung Falter, oberster System-Grantler und fallweise auch Shitstorm-Magnet, hat mit seiner im Zsolnay Verlag erschienen Buchpublikation

Bauer und Bobo

eine sehr lange, sehr ausgefeilte und eloquent-spritzige Reportage vorgelegt, in der die brennenden Fragen unserer Zeit verhandelt werden.

In diesem Buch, das im Grunde auch das Leben schrieb, und das einen auch gehörig triggern kann, gibt es eine Hauptfigur: Christian Bachler. Bergbauer auf einem der höchstgelegenen Höfe in der schönen Steiermark. Bachler ist ein Vordenker in Sachen agrarpolitikbefreiter Landbewirtschaftung. Er gestaltet ausgefeilte Videos und Textbeiträge, in denen er zum Beispiel die Auswirkungen der Klimakrise erklärt. Christian Bachler verfügt über das Riesentalent, die komplexesten Zusammenhänge in aller Einfachheit erklären zu können. Bachler ist ein Auf-den-Punkt-Bringer, ein herausragend kluger Kopf. Einer, der es geschafft hat, sich über die Sozialen Medien Gehör zu verschaffen. Ihm folgen unzählige User. Mit Begeisterung! Ein Bauer, der seinem selbstgewählten Bildungsauftrag mit Mut, Sprachgewandtheit, mit Kreativität und einer großen Portion Menschenfreundlichkeit nachkommt.

Wer Christian Bachler, dem Tierwohlbewahrer aus Leidenschaft, je zugehört hat, der wünscht sich, dass dieser Mann den Herrschaften in den Ministerien und Wirtschaftswahnsinnsbüros die Welt erklärt und so nebenbei auch gleich mal die Leviten liest.

Die Vision des Christian Bachler, sein Kampf (nicht nur) ums wirtschaftliche Überleben, sein Bemühen um eine artgerechtere, verantwortungsvollere Tierhaltung und Landwirtschaft, der Umgang mit der Natur und dem, was uns anvertraut ist, die Klimakrise, das Umweltdesaster, die kranke und krankmachende Tierfleischverzehrindustrie, die Ausbeutung und die Ignoranz, das Absahnen durch rücksichtsloses Drüberfahren, das sind die Themen im Buch Bauer und Bobo. Und es geht in diesem Buch auch um die Kraft der Freundschaft, um ein gelungenes, viele Grenzen aufhebendes Miteinander.

Florian Klenk, der bürgerliche Journalist, hat über Christian Bachler, den bäuerlichen Vordenker und Wegbereiter, ein Buch geschrieben, in dem die wirklich wichtigen Fragen unserer Zeit mit sehr viel Empathie, mit Humor und auch mit einer großen Portion Haus- und Sachverstand ausgeleuchtet werden.

Zwei Männer machen es vor, wie man die Welt ein bisschen besser machen kann, da liest und geht man gerne mit, zieht Lehren für sich daraus. Respekt. Man dankt und wünscht dem Buch, das im September 2021 erschienen ist, und dass es binnen weniger Monate zu einer 4. Auflage gebracht hat, auch für weiterhin den großen Kreis einer sehr geneigten Leserschaft.

Bauer und Bobo gehört in Schulbibliotheken, man sollte es auch an Studierende verteilen. Es ist ein ungemein wichtiges Buch.

Klare Leseempfehlung!

Susanne Rasser

Bauer und Bobo, Florian Klenk, Paul Zsolnay Verlag, Wien, September 2021, gebundene Ausgabe, erhältlich im Buchhandel zum Preis von 20,60.

Susanne Rasser, lebt als Autorin und Fotokünstlerin in Rauris / Österreich. Ihre Texte erscheinen bei der dahlemer verlagsanstalt, Berlin.

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