Eine Hymne für Erika Wimmer Mazohl

LESEEMPFEHLUNG

Das zweite Gesicht. Unter diesem Titel hat die österreichische Lyrikerin, Roman- und Theaterschriftstellerin Erika Wimmer Mazohl einen Gedichtband veröffentlicht. Die Autorin nimmt dabei Bezug auf Graphiken von Markus Vallazza, einem in Südtirol beheimateten Zeichner, Radierer, Illustrator und Schriftsteller, der 2019 verstorben ist.

Durch diese Symbiose, bei der sich eine Lyrikerin mit den Arbeiten eines Zeichners beschäftigt, aus seinen Bildvorlagen ihre Schreibmotivation bezieht und sich daraus etwas vollkommen Eigenständiges erarbeitet, erdenkt, einen Kosmos im All erschaffend, durch diese Symbiose entstand ein Lyrikband, den man mit Fug und Recht auch als Edelausgabe bezeichnen kann. Wunderschön gebunden, mit Lesebändchen versehen, keine Sparprogrammpublikation, der Buchrücken kompakt, hält was aus, ummantelt, gibt Rahmen und Raum.

An dieser Stelle meine Gratulation auch an den in Innsbruck ansässigen Limbus Verlag, der mit der Herausgabe dieses Lyrik-Bild-Bandes herausragend gute Arbeit geleistet hat.

Der Edelband ist in gewisser Hinsicht auch ein Edelbrand, ein Destillat vom Feinsten. Die in Bozen geborene und heute in Innsbruck lebende Erika Wimmer Mazohl gehört zu jenen Autorinnen, die pur einschenken, sie ist eine, die sich vor keinen Karren spannen lässt, da geht eine einen ganz eigenen Weg, aufrecht und mit Anmut, ohne Schnickschnack und dem Schielen nach Modethemen. Da vergewissert sich eine bei sich selber. Erika Wimmer Mazohl nimmt sich zudem kein Blatt vor den Mund, sie richtet es sich nicht. Wimmer Mazohl verfügt zudem über eine Gabe, die so rar wie erfrischend ist: sie stürzt im Vorbeigehen die Machtmöchtegerns vom Sockel. Und sie tut dies auf eine Art, die etwas Lässiges und sehr Ruhiges vermittelt. Damit geht und führt uns die Autorin in eine Freiheit, eine Unabhängigkeit, die nur dann zu erreichen ist, wenn der Mensch in sich gefestigt ist. Man könnte sagen, dass Erika Wimmer Mazohl aus einer sehr gefestigten Mitte heraus schreibt, mit einer Kraft, die sie aus sich selbst bezieht oder aus dem Urgrund, sie ist eine, die im Namen des Vaters schreibt, und auch im Namen des Feingefühls und der Gewissenhaftigkeit.

Wimmer Mazohl versteht etwas vom gewissenhaften Niederschreiben, sie steht ein für sich und andere, für das, was Sinn und letztlich oftmals auch Freude macht.

Erika Wimmer Mazohl, Das zweite Gesicht, Gedichte, Limbus Preziosen, 2021, gebunden, mit Lesebändchen, erhältlich um 20 Euro im gut betreuten Buchhandel.

Rezension von Susanne Rasser

Susanne Rasser, 1965 geboren, lebt als Autorin und Fotokünstlerin in Rauris / Österreich. Ihre Gedichte erscheinen im Frühjahr 2022 bei der dahlemer verlagsanstalt, Berlin.

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